Unser Aufenthalt in Hebron

Am 15.04.2019 haben wir ohne unsere AustauschschülerInnen einen Tag in der südlichen Stadt Hebron verbracht. Dank Herrn Kremeyer haben wir einen palästinensischen Guide organisieren können, der sehr gut englisch sprechen konnte und uns den ganzen Tag begleitet hat. 

Die Tour startete in einer kleinen Glasbläserei, die in Palästina aber sehr bekannt ist. Wir konnten sehen, wie ein Mann eine Vase blies und wie zwei weitere Männer Keramikschalen per Hand bemalten.

Weiter ging es in der Stadt. Dort liefen wir über eine Straße, die noch nicht besiedelt war und mit palästinensischen Verkäufern gefüllt war, die Früchte u. ä. verkauften. Dort sind mir und uns direkt die Männer aufgefallen. Noch viel stärker als hier in Beit Jala gafften sie uns an, redeten über uns, filmten uns und pfiffen uns hinterher. Obwohl wir solche Situationen mittlerweile schon kannten, war es dort anders. Die Männer und besonders auch schon kleine Jungen wirkten aufdringlich und vermittelten uns ein komisches Gefühl. Hier in Palästina und vor allem in Hebron wirkt die Rolle der Frau sehr abwertend und man fühlt sich wie ein Objekt, welches nur aufgrund ihrer Reize benutzt wird. Dieses Gefühl finde ich sehr belastend und ich frage mich immer wieder, warum diese Männer und Jungen das tun bzw. wo sie gelernt/oder nicht gelernt haben, wie man sich angebracht verhält.

Nach kurzer Zeit kamen wir direkt zum ersten Checkpoint der Siedlungen, durch welchen wir gehen mussten, um in den israelischen Teil zu kommen. Hebron ist eine Stadt mit großer politischer Bedeutung. Sie ist insofern sehr besonders , weil ein großer Teil des Stadtkerns von israelischen Siedlern besetzt ist. Somit ist die Stimmung durch den direkten Kontakt sehr geladen und es wird dort oft gefährlich. Die Grenzen werden sehr stark von Soldaten bewacht und man kommt nur durch diese Checkpoints in diesen Teil. An sich sind diese nicht spektakulär;  es gibt ein Drehkreuz und gelegentlich wird man von den Soldaten gefragt, woher man kommt und wie viele Personen in der Gruppe sind.

Nach dem Checkpoint standen wir auf einer nahezu ausgestorbenen Straße, welche deshalb auch „Ghost Town“ genannt wird. Sie ist verlassen, obwohl sie früher die Hauptstraße von Hebron war und somit sehr viele Geschäfte vorzufinden waren. Durch die Besetzung wurde diese allerdings gesperrt und alle Verkäufer mussten ihre Läden verlassen, insgesamt mussten 185 Geschäfte geschlossen werden. Dadurch verloren viele Palästinenser ihr Geschäft und vor allem ihre Einkommensquelle.

Bis heute wohnen auch keine Israelis in dieser Straße. 

Nachdem wir diese Straße in eine Seitenstraße verlassen hatten, kamen wir auf einen Markt, der typisch für Palästina ist und sich über die ganze Straße verteilt. Auch dort sind die Blicke der Männer und Jungen sehr auffällig und extrem. Am spannendsten war aber das, was sich über der Straße befand — ein riesiges Gitternetz, gestützt von einem Metallgerüst.

Dadurch, dass sich diese Straße inmitten von Siedlern befindet, kommt es dort schnell zu Ausschreitungen und um diese abzuwehren, wurde das Gitter angebracht um vor Abfall oder anderen evt gefährlichen Gegenständen zu schützen.

Es folgte der Besuch einer Moschee namens Abrahamsmoschee und Machpelamoschee, welche in zwei Hälften getrennt ist. Die eine Hälfte ist für Juden vorgesehen, die andere für Muslime und Christen. Menschen dieser Religionen ist es nicht gestattet, auf die andere Seite der Moschee zu gehen, die nicht für Sie vorgesehen ist.

Mit unserem Guide haben wir die Abrahamsmoschee besichtigt, die andere Hälfte besichtigten wir ohne unseren Guide, weil es ihm als Palästinenser nicht gestattet war, die Machpelamoschee zu betreten. Zwischen den beiden Teilen gab es auffällig große Unterschiede. Während in der Abrahamsmoschee der Boden vollständig mit Teppich ausgelegt war und überdacht war, bestand der andere Teil aus einem Steinboden und er war sehr offen gestaltet. Für mich persönlich wirkte die Abrahamsmoschee viel heiliger und man merkte mehr, dass dieser Ort ein Ort ist, um zu beten und um Frieden zu finden.

Nach diesem Besuch gingen wir zu einer Straße, die zu betreten den Palästinensern komplett verboten ist. Normalerweise ist es den Palästinensern erlaubt in den Straßen zu gehen, aber nicht mit dem Auto zu fahren; wobei bei dieser Straße beides nicht erlaubt war.

Auch diesen kleinen Abschnitt der Straße haben wir ohne unseren Guide besucht. Auch wenn es nur ein kleines Stück war, bemerkte man eine große Veränderung. Ich merkte, wie auffällig es ist, dass dieses eine israelische Siedlung ist, allein schon durch die Menge an israelischen Flaggen, die an jeder Ecke zu sehen waren. Während des Durchgangs fühlte ich mich sehr unwohl. Man stand permanent unter Beobachtung der Soldaten und auch dort waren nur wenige Menschen auf der Straße. Somit war ich sehr froh, als wir wieder auf einer auch für Palästinenser zugelassene Straße angelangten.

Mittags gingen wir dann außerdem noch zu einer palästinensischen Frau, welche für uns alle lecker gekocht hatte.

Danach endete unser Tag in Hebron auch schon, und für mich war es der in Bezug auf die Politik spannendste Tag hier in Palästina, weil der Nah-Ost-Konflikt dort einfach so spürbar war, wie nirgendwo anders und man sich die Konfliktsituation mit eigenen Augen ansehen konnte.

Von Alexa

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